Neuer Münchner Hauptbahnhof

München kann’s besser: Kreativ gestalten statt milliardenschwer klotzen!

Seit Jahren wird der Bahnhofsentwurf von 2003 diskutiert. Zu hoch, zu groß, zu wenig Bahnhof. Inzwischen wurde er in dritter Auflage präsentiert. Die Gruppe München des Denkmalnetzes Bayern kritisiert dieses milliardenschwere Prestigeprojekt: Anstatt die Höhen und Flächenvorgaben der Stadt endlich einzuhalten, erweitert die Bahn das fragwürdige spekulative Renditeobjekt noch um ein Hochhaus, für das der denkmalgeschützte Starnberger Flügelbahnhof abgerissen werden soll.

Dieses Hochhaus sprengt jeglichen Maßstab, kollidiert mit der Altstadtsilhouette, verletzt die von der Stadt aufgestellten Altstadtleitlinien und ist alles andere als stadtverträglich. Um die fast verdreifachte Fläche für Büro und Handel genehmigungsfähig zu machen, beabsichtigt die Landeshauptstadt eine Anpassung des Bebauungsplans und des Einzelhandelsgutachtens, trotz leerstehender Büroflächen und einer bereits sehr hohen Konzentration an Einzelhandelsflächen in der Münchner Innenstadt.

Der Neubau bringt bahntechnisch keine Verbesserung, sondern wird zu einem Bahnhof mit überdimensionierter Shopping-Mall. Als Bürgerinnen und Bürger mit denkmalpflegerischen Kenntnissen und Interessen kritisieren wir, dass die Landeshauptstadt München die architektonische und geschichtliche Bedeutung des Gebäudebestandes aus den 1950er Jahren mit den integrierten historischen Bürklein-Bahnhofsresten und dem denkmalgeschützten Starnberger Flügelbahnhof sowie das darin enthaltene Optimierungspotenzial massiv unterschätzt. Eine bestehende großzügige Halle wird durch eine neue Halle ersetzt, die ebenfalls mit Bildschirmen, Buden u.ä. vollgestellt werden kann.

Dieses mit der 2. Stammstrecke – ihr Nutzen wird von vielen angezweifelt – eng verknüpfte Prestige-Projekt birgt für die Stadt große finanzielle und logistische Risiken (Verkehrskollaps) und bedeutet eine Großbaustelle von mindestens 8 Jahren.

Seit kurzem wird der neue Hauptbahnhof – ganz im Zeitgeist – als nachhaltig verkauft. Nachhaltig und ökologisch wäre es aber, den architektonisch wertvollen, immer noch modernen Bestand aus den 1950er Jahren inklusive seiner Bürklein-Reste zu sanieren, ihn behutsam weiterzuentwickeln.

Die Deutsche Bahn und die Landeshauptstadt München könnten mit einem behutsam sanierten Münchner Hauptbahnhof ein wegweisendes Nachhaltigkeitsprojekt verwirklichen, das in Europa seinesgleichen sucht: ökonomisch, ökologisch und kulturell nachhaltig.Es würde in jeder Hinsicht einen schonenden Umgang mit den Ressourcen bedeuten. Die für Abbruch, Produktion von Baumaterial und Neubau benötigte Energie würde eingespart, die im Bestand enthaltene „graue Energie“ weiter genutzt, Bauschutt vermieden – und ein bedeutendes Zeugnis der Bahngeschichte und der Wiederaufbauzeit bliebe als Identitätsmerkmal der Stadt erhalten. Das wäre eine Superlative unter den derzeitigen Bahnhofsprojekten!

Die Bahn geht einen anderen Weg: Sie lässt die Gebäude seit Jahren herunterkommen, um dann mit Unwirtschaftlichkeit beim Erhalt zu argumentieren, abzubrechen und den größten Bahnhof Europas zu bauen. Das ist Maßlosigkeit, nicht Nachhaltigkeit.

Die Bahn, das Land, die Stadt München, Investoren, alle scheinen im Abbruchfieber. Das Denkmalnetz Bayern kann die vom Abbruch bedrohten Denkmäler gar nicht schnell genug auf seiner Internetseite als gefährdet listen. Denkmalgeschützte, denkmalwürdige oder erhaltenswerte und keineswegs abbruchreife Gebäude wie der Hauptbahnhof: degradiert zu Spekulationsobjekten!

Bürgerbeteiligung findet nicht statt oder findet keine Berücksichtigung. Wir fordern sie aber!

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