Tierklinik: Spaenle soll abreißen dürfen?

Tierklinik
Die Tierklinik war am Mittwoch, den 9. November erneut Thema im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag.

Gegen die Stimmen von SPD, Freien Wählern und Grünen, die sich in einer teils leidenschaftlich geführten Debatte deutlich für eine Kompromisslösung ausgesprochen hatten, unterstützt die CSU-Mehrheit die Pläne ihres Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle für einen Abriss der schützenswerten Bauten am und im Englischen Garten. Lediglich der markante Bibliotheksbau der 1950er Jahre soll – wie bereits vor knapp einer Woche vom Minister in der Presse verkündet – nun doch bestehen bleiben. Ein „Kleinsterfolg“, wie Isabell Zacharias (SPD) im bereits erschienenen Bericht in der Online-Ausgabe der Münchner Abendzeitung konstatiert. Die Münchner Abgeordnete hob auch nochmals die vorgelegten Gutachten und Stellungnahmen namhafter Experten hervor, die sich klar für einen Erhalt großer Teile der Bestandsbauten der Tierklinik ausgesprochen hatten.

Weitgehende, fraktionsübergreifende Einigkeit schien im Ausschuss hinsichtlich der geplanten neun Instituts-Blöcke zu herrschen, die auf dem Gelände am und im Englischen Garten entstehen sollen: Man habe es bereits im Wettbewerbsverfahren versäumt, den Denkmalschutz zu berücksichtigen und entsprechende Anforderungen an die Wettbewerbsteilnehmer zu formulieren. Hier sei in einer frühen Phase der entscheidende Fehler passiert, gab Robert Brannekaemper (CSU) zu bedenken. Uneinigkeit herrschte wiederum hinsichtlich der Schuldfrage: Referat für Stadtplanung und Bauordnung oder Kultusministerium, Stadt oder Freistaat – wer trägt die Verantwortung für das folgenreiche Versäumnis? Noch vor der eigentlichen Realisierung des umstrittenen Projektes „will es wieder keiner gewesen sein“, bemerkte eine Besucherin der Ausschusssitzung.

Trotz der festgestellten Versäumnisse und der offensichtlichen Einigkeit, dass die bislang angedachten Neubauten keine überzeugende architektonische Lösung für den Eingang zum Englischen Garten darstellen, wollten die Abgeordneten der Union nicht von den Plänen abrücken. Eine Änderung sei der Physikalischen Fakultät, dem künftigen Nutzer, „nicht zumutbar“ – auch wenn für die Realisierung der Gesamtmaßnahme ein Zeitrahmen von 15-20 Jahren vorgesehen ist. Der Ausschussvorsitzende, Prof. Michael Piazolo (FW) bemerkte, auch er wünsche sich ideale Bedingungen für die Studierenden. Er gab aber gleichzeitig zu bedenken, man dürfe „Denkmalwürdigkeit nicht einfach dem Nutzen opfern“. Wiederholt setzte auch er sich für einen Kompromiss ein.

Die Altstadtfreunde werden auch nach der heutigen Ausschusssitzung für eine Lösung am Englischen Garten eintreten, die sowohl die Bedürfnisse des Denkmalschutzes als auch die Anforderungen der LMU an die künftige Nutzung berücksichtigt. Wir bitten Sie dafür auch weiterhin um Ihre Unterstützung. (Altstadtfreunde München)

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